der akku ist nicht defekt, das fahrzeug ist quasi neu....
Das sind die Boeing Dreamliner auch allesamt, trotzdem wurden an den 49 ausgelieferten Maschinen schon zig defekte Akkus ausgewechselt und eine handvoll ist sogar geschmolzen oder haben zu brennen angefangen, so dass die Maschinen momentan von der Flugsicherheit gegroundet wurden.
aber da beim hersteller dieses problem bekannt ist wurde mir das mitgeteilt.
Defekte an einem Neufahrzeug sind ein Gewährleistungsfall.
Auch ein defekt gelieferter neuer Akku.
Da muss der Verkäufer für Abhilfe sorgen und nicht der Käufer!
ich möchte das geplante system vorbeugend im fahrzeug installiert haben.
Also Du möchtest zusätzlich zum vom Hersteller eingebauten System zur Ladezustandsüberwachung einwandfreier Akkus noch ein weiteres System, das auch den Ladezustand defekter Akkus überwachen kann, weil Du gerne mit defektem Akku fährst und nicht überraschend liegenbleiben möchtest.
Zunächst mal zum Hintergrund, wie die Hersteller-Ladeanzeige an einem einwandfreien Akku-Pack funktioniert:
Der Akku-Pack besteht aus einer Reihenschaltung verschiedener Akku-Zellen, die Gesamtspannung ergibt sich aus der Summe der Einzelspannungen. Bei LiPo-Zellen beträgt die Spannung einer vollen Zelle 4,2 Volt, die einer entladenen Zelle 3,0 Volt. Dein Akku-Pack könnte 18 solche Zellen besitzen, die Gesamtspannung beträgt zwischen 18*4,2= 75,6 Volt (voll) bis 54 Volt (leer). Und danach ist die Ladezustandsanzeige gemacht, die zeigt bei 75,6 Volt voll und bei 54 Volt leer an.
Voraussetzung dafür, dass es so funktioniert, ist, dass alle 18 Zellen dieselbe Kapazität und denselben Lade- und Alterungszustand besitzen.
Jetzt zum defekten Akku-Pack: Im defekten Akku-Pack hat mindestens eine der 18 Zellen eine viel geringere Kapazität als die übrigen 17. Sei es durch einen Fertigungsfehler, vorzeitige Alterung oder einfach nur schnelleren Verschleiß als bei den übrigen Zellen. Die Spannungen können dabei weitgehend identisch zu einem einwandfreien Akku sein (4,2 V voll, 3,0 V entladen), so dass anfänglich das Pack "voll" anzeigt. Ich gehe im Folgenden mal davon aus, die defekte Zelle im Pack habe nur halbe Kapazität.
Beim Entladen passiert nun erstmal eine ganze Weile nichts spektakuläres, sondern mit zunehmender Entladung sinkt die Spannung fast genau so wie bei einem einwandfreien Akku-Pack. Nachdem die halbe Kapazität des Akkus leergefahren wurde (also die halbe Kapazität der einwandfreien Zellen, aber die volle Restkapazität der defekten Zelle), beträgt die Spannung an 17 Zellen noch 3,6 Volt ("halb voll"), und eine Zelle ist leer bei 3,0 Volt. Gesamt 17*3,6+3= 64,2 Volt. Das liegt nur ganz geringfügig unterhalb der Spannung eines einwandfreien halbvollen Akkus (18*3,6= 64,8 V).
Aber jetzt kommt es: Obwohl nur eine Zelle quasi "leer" ist, liefern die anderen 17 natürlich noch reichlich Strom, und den jagen sie rücksichtslos durch die defekte Zelle, die nichts mehr hergeben kann. Die defekte Zelle wird dabei "umgepolt" und die 17 anderen Zellen versuchen, die defekte Zelle "mit umgekehrter Polung aufzuladen". Und das ist dann der Zeitpunkt, an dem die Spannung zusammenbricht und wegen des stark ansteigenden inneren Widerstands praktisch keine Leistung mehr aus dem Akku entnommen werden kann.
Das heißt: Wenn auch nur eine einzelne Zelle im Akku nur noch halbe Kapazität hat, dann hat auch das gesamte Akku-Pack kaum mehr als die halbe Kapazität, die man noch entnehmen kann.
Und daraus ergibt sich auch die Lösung Deines Problems: "HALBVOLL IST DAS NEUE LEER!"
Zur Erläuterung: Wenn quasi bei Anzeige "halbvoll" die Akkuanzeige auf "leer" springt, dann ist "halbvoll und leer" quasi identisch. D.h. sobald die Spannung nur noch 64,2 V beträgt, ist der defekte bzw. in seiner Kapazität reduzierte Akku insgesamt als leer zu betrachten.
Statt der serienmäßigen Anzeige, die 75,6 Volt als voll und 54 Volt als leer anzeigt, brauchst Du Dir für den defekten Akku nur eine Anzeige zu bauen, die 75,6 Volt als voll und 64,2 Volt als leer anzeigt.
Du mußt nur beachten, dass die Spannung korrekt immer nur "bei unbelastetem Akku" korrekt gemessen werden kann. Also z.B. die korrekte Messung immer beim Ampelstopp machen, wenn der Motor abgeschaltet ist. Im laufenden Betrieb müßte die Anzeige "grob geschätzt" aus der letzten Messung weiter interpoliert werden, z.B. per "Laufzeit des Motors mal mittlere Leistungsaufnahme", so dass es auch beim Fahren eine Anzeige für den Fahrer gibt, wenn er längere Strecken ohne Stopp zurücklegt.
Wenn Du stattdessen annimmst, dass der Akku vollkommen in Ordnung sei, dann wäre es so, dass das Befahren der Steigung in jedem Ladezustand gleich viele Striche in der Ladeanzeige kostet, d.h. wenn eine bestimmte lange Steigung auf der Strecke 10% der Akku-Gesamtkapazität kostet, dann müßten diese 10% Ladezustand bei fast vollem Akku von 80% auf 70% erfolgen und genauso von 40% auf 30%, aber nicht von 40% auf 0%. Das würde nur dann nicht hinhauen, wenn der letzte Ampelstopp schon sehr lange zurückliegt (wie dargestellt, kann der genaue Ladezustand nur bei unbelastetem Akku exakt ermittelt werden), die Ladeanzeige während der Fahrt also relativ lange mit ihren Fortschreibungs-Schätzungen des Ladezustands arbeiten mußte und demzufolge schon bei Erreichen der Steigung einen völlig falschen (optimistisch überhöhten) Wert angezeigt hat.
Wenn Du keine Möglichkeit hast, die tatsächliche Akku-Kapazität Deines Fahr-Akkus von neutraler Stelle prüfen zu lassen, dann würde ich als erstes Arduino-Projekt einen Akku-Kapazitätstester empfehlen. Also ein Gerät, das einen vollgeladenen Akku mal unter Messbedingungen bis zur Entladeschlußspannung entlädt und dabei Strom und Spannung in kurzen Zeitabständen mitloggt und die gesamte Leistungsabgabe des Akkus in Wattsekunden aufaddiert, so dass am Ende verglichen werden kann, wieviel Kapazität tatsächlich aus dem geladenen Akku gezogen werden konnte - in wieviel es hätte sein sollen. Wenn ein Akku weniger als 70% seiner Nennkapazität aufweist, dann ist er Schrott.