Hallo zusammen,
ich finde dieses Projekt eine tolle Idee! Ich schreib mal kurz was, warum mich das Thema interessiert

. Ich fahr schon länger Slot Cars in einem Club, der Einstieg war natürlich Carrera und andere Hersteller. Seit ein paar Jahren fahren wir auch in einer deutschen Rennserie mit Beteiligung von österreichischen und schweizer Teams (
www.slp-info.de).
Ihr seid aus dem süddeutschen Raum, da gibt´s einige Clubs und Vereine, bei denen ihr sicher vorbeischauen könntet, falls euch das hilft (ich weiß nicht, wie dieses Forum auf Werbung reagiert, aber eine Suchmaschine Eurer Wahl wird euch sicher weiterhelfen

). Sonst gerne PN.
Ich bin schon gespannt auf Eure Ergebnisse, ich denke, daß Euer Projekt weitere interessante Einblicke in das Fahrverhalten von Slot Cars bieten kann.
Ich erlaube mir mal kurz
ein paar Grundlagen aus meiner Sicht weiterzugeben, die mir beim Lesen der bisherigen Posts in diesem Thread eingefallen sind (ich hab da die Weisheit auch nicht mit dem Löffel gefressen, theoretisch sind Slot Cars kaum aufgearbeitet, das meiste passiert da empirisch

....):
1) Bremsen funktioniert mit Kurzschließen des Motors. Und ja, der Motor gibt dabei Strom ab, bestimmt auch mit entsprechenden Spannungsspitzen. Irgendwo gab´s mal Bilder von Oszilloskopmessungen zur Reglerkontrolle, da konnte man das auch sehen. Der Kurzschluß wird bei allen modernen kommerziellen und selbstgebauten Bahnen durch den verwendeten Handregler hergestellt, auch bei Analogbahnen. Für Analogregler gibt es einstellbare Bremsen, bei denen einfach ein Poti in die Bremsleitung geschaltet wird, um den Kurzschlußstrom zu begrenzen. Bei PWM-Reglern wird das durch die PWM direkt gemacht, wodurch sich ein grundsätzlich anderes Bremsverhalten ergibt - PWM-Regler bremsen beim Gas-Wegnehmen gleich mit, Analogregler erst bei komplettem Loslassen des Reglers. Im Gegensatz zu RC-Cars gibt es meines Wissens keine Slotcars, die eine mechanische (Scheiben)-Bremse oder Induktionsbremse im Auto verwenden. Eine Bremsfunktion mit Umdrehen der Motorpolung (H-Brücke) ist mir nicht bekannt; bei den allermeisten Bahnen liegt ein Leiter fest auf Masse und damit wird´s mit Umkehr schwierig.
2) Beim Bremsen und in Kurvenfahrten gibt es verschiedene Effekte, die stark von Bahn und Fahrzeug abhängen. Beim Abflugort kann man also nur sagen: kommt drauf an

.
Beispiele für Einflußfaktoren:
- dynamische Achslast und Druck auf Vorderachse und den Leitkiel bei gleichzeitiger Entlastung der Hinterachse (wurde in einem früheren Post schon genannt). Das führt so weit, daß die Leitkielposition und -befestigung das Driftverhalten beeinflußt. Mal abgesehen von diversen Effekten wenn die Karossierie (absichtlich!) mit 'Wackel' mit dem Fahrwerk verbunden ist.
- Wahl der Reifenmischung
- Schliff der Hinterreifen (konisch, Rundungen an den Kanten...)
- Versiegelung oder Haftung der Vorderreifen (in den allermeisten Fällen fährt man mit Versiegelung dh möglichst wenig Haftung an der Vorderachse besser)
- Verbindung/Entkopplung von Fahrwerk und Karosserie
- Federung
- Dämpfung (dazu gibt es mW wenig Erfahrungen)
- Übersetzung Motor-Hinterachse
- Position des Leitkiels (horizontal und vertikal), Beweglichkeit des Leitkiels, Befestigung des leitkiels (flexibel vs hart), Dämpfung des Leitkielhalters, Material und Art des Leitkiels (Länge, Breite, Schliff)
- Motorspezifika (viel/wenig Dreh- und Bremsmoment, ...)
- Gripverhältnisse der Bahn (frisch vs. eingefahren, Art und Dichte des Reifenabriebs auf der Bahn, Material, Reinigungszustand und Temperatur der Bahn...)
3) Magnet / ohne Magnet. Dazu gibt es eine immerwährende beinahe religiös geführte Diskussion in der "Szene", die wir hier sicher nicht ausbreiten wollen, weil es ohnehin Geschmackssache ist und beides seine Berechtigung hat.
Unstrittig - und gleichzeitig für Euer Projekt mE sehr relevant - ist der Sachverhalt, daß der Grenzbereich bei Magnetautos sehr viel enger ist, als bei magnetlos gefahrenen Autos. Will heißen: wenn der 'Grip' bei einem Magnetauto abreißt, hast Du eigentlich keine Chance mehr zu reagieren. Sobald Du siehst, daß das Ding 'weggeht', war´s das und es hilft weder Bremsen noch Gasgeben. Es gibt verschiedene Ansätze dem zu begegnen (zb bewegliche Magneten, schwächere Magneten, andere Position der Magneten oder auch einfach viel mehr Magneten

was aber zu Lasten des Vortriebs geht da mehr Anpressdruck).
4) zum Fahrverhalten ohne Magnet auf Holzbahn gibt es zB schöne Videos von der DPM (
und hier
), in diesen Videos sind auch ein paar Slowmos mit Drifts. Außerdem könnt ihr euch da mal verschiedene Abflugorte in der Kurve ansehen.
5) Gewicht und Schwerpunkt. Ich bin kein Physiker, aber grob mal so: bei der Kurvenfahrt gibt es ein Drehmoment und ein Rollmoment des Fahrzeugs (unterteilt in Fahrwerk mit Rädern, Motor etc und die Karosserie). Wenn ich das richtig einschätze, dürften Eure Testfahrzeuge insgesamt so um die 90g haben. Dh jedes Gramm mehr durch Sensorik, Elektronik etc. wird das Fahrverhalten in Kurven und das Beschleunigungs- und Bremsverhalten verändern.
Durch das Rollen des Fahrzeugs kann es darüber hinaus zu einer verschlechterten Stromaufnahme oder "Spannungsabriss" kommen, wenn ein Schleifer am Leitkiel die stromführende Mittelschiene verläßt.
6) Es gibt viele Veränderungen im (Renn)verlauf: Mechanische Beanspruchung und somit Verschleiß von Rädern und Schleifern (=Stromabnehmer); Temperaturveränderung Motor uU mit Auswirkungen aufs Fahrwerk; Karosseriewackel; Leitkieltoleranz (man muß daß DIng ja so einbauen, daß der Leitkiel leicht läuft --> führt zu Beweglichkeit des Leitkiels --> seitliches Ausbrechen und uU variierende Stromaufnahme;...)
Welche Schlußfolgerungen ihr daraus zieht, ist Eure Sache

, dazu macht ihr ja ein Projekt. Je nachdem, wieviel Internet-Coaching Euer Lehrer erlaubt, habe ich schon noch ein paar Gedanken und Ideen dazu...Ich finde es toll, wie Du Dich hier und vermutlich auch anderswo informierst. Und auch richtig, wenn Du das mit Deinem Lehrer besprechen wirst. IMHO gehört Recherche im Internet inzwischen mit zu jedem Beruf...
Vor allem viel Freude bei Eurem Projekt !
Viele Grüße, Robert