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Topic: != Technik: Stammtisch, Politik und Digitalisierung (Read 1 time) previous topic - next topic

RIN67630

May 02, 2018, 08:45 am Last Edit: May 02, 2018, 08:49 am by RIN67630
Ich bin oft im französichem Arduino-Forum.

Es fällt total auf, dass viele derzeit nach Hilfe suchen, weil das Abitur naht und sie ein Projekt fertigstellen müssen.

Hierzulande nichts derart.

Hier redet man von Digitalisierung und redet und redet... (und denkt meistens dabei nur an schnelleres Internet...) was ist denn von der Digitalisierung in unseren Schulen angekommen?


HotSystems

....
Es fällt total auf, dass viele derzeit nach Hilfe suchen, weil das Abitur naht und sie ein Projekt fertigstellen müssen.

Hierzulande nichts derart.
....
Das stimmt so nicht.
Auch hier gibt es Anfragen.

Aber sieh es mal so:
Unsere Abiturienten sind einfach besser drauf und brauchen keine Hilfe. ;)

Gruß Dieter

I2C = weniger ist mehr: weniger Kabel, mehr Probleme. 8)

MaHa76

Ich habe im Freundeskreis einige Lehrer und die setzen sehr große Hoffnungen in die Digitalisierung...


um ihre Vertretungspläne online pflegen zu können- ohne Quatsch!


Da wir selbst 3 Kinder haben bin ich inzwischen sehr schockiert was den Kindern noch an Kompetenzen vermittelt wird. Das begrenzt sich letztendlich auf die Nutzung von Suchmaschinen. Mein Großer meinte schon man müsse nichts mehr lernen, weil man doch im Internet alles findet... Ich hab ihn dann gefragt, warum er meint, dass alle anderen vor ihm gelernt haben? Er meinte weil es kein Internet gab... und ich doch- das hieß da aber Bibliothek... da meinte er es gab da aber keine Suchmaschinen- darauf meinte ich, dass das damals noch Bibliothekar hieß.... darauf meinte er es mußten damals ja wenigstens ein paar Lernen, um die Bücher schreiben zu können. Mein Frage, wo denn das Internet, sein Handy, mein Laptop etc. herkommt konnte er dann nicht mehr kontern....

Den Kindern wird anscheinend gewollt nur noch die Konsumenten- Kompetenz vermittelt...

RIN67630

#3
May 02, 2018, 09:44 am Last Edit: May 02, 2018, 09:44 am by RIN67630
Mein Großer meinte schon man müsse nichts mehr lernen, weil man doch im Internet alles findet...
Müssen nicht. Aber auch vom Internet kann man lernen. Lernen macht Spaß.
Aber noch viel, viel mehr Spaß macht es, etwas neues zu schöpfen.

Ein Konzert zu besuchen, verleiht Freude. Aber viel weniger, als im Orchester oder im Chor mitzumachen.

Theseus

Ich bin oft im französichem Arduino-Forum.

Es fällt total auf, dass viele derzeit nach Hilfe suchen, weil das Abitur naht und sie ein Projekt fertigstellen müssen.

Hierzulande nichts derart.
Hier (NRW) gibt es die Facharbeiten in dem Jahr vor dem Abi. Dem entsprechend schlagen hier etliche um Karneval herum auf, wenn die Facharbeiten fertig werden müssen. In D ist aber Aufgabe der Lehrer den Schülern so viel beizubringen und sie auch dabei so zu betreuen, dass sie ein Projekt selber schaffen. Internet-Quellen sind für diese Arbeiten verpöhnt. Wikipedia ist als Quelle praktisch verboten. Dementsprechend muss das Wissen möglichst aus Büchern zusammengetragen werden. Ich halte das inzwischen sogar als wichtiges Lernziel. Die Schüler meinen sonst alles stände nur noch im Internet und den Umgang mit Fachbüchern und Recherche in einer Bibliothek haben sie nie gelernt.

Ich hatte mal mit einem Lehrer (Gymnasium) zu tun, der in der Oberstufe als benoteter Projektkurs mit den Schülern Arduino-artige Controller aufbaute inkl. ätzen der Platinen und anschließend in AVR-Studio programmierte. Ziel war z.B. Bau eines Geigerzählers.

RIN67630

#5
May 02, 2018, 12:14 pm Last Edit: May 02, 2018, 12:15 pm by RIN67630
Die Schüler meinen sonst alles stände nur noch im Internet und den Umgang mit Fachbüchern und Recherche in einer Bibliothek haben sie nie gelernt.
Das stimmt. ich habe als Rentner immer noch ein Jahreszugang zur Uni-Bibliothek. Es ist wahnsinnig, was es dort für Informationen gibt, die im Internet nicht zur Verfügung stehen. Die 20€ Jahresgebühr sind sehr gut investiert.

sschultewolter

Im Internet kann ich mir genauso wie auch in der Bibiothek Wissen aneignen. Problem an der ganzen Sache ist aber, dass viele inzwischen zu faul/dumm/.... sind, sich das Wissen anzueignen um dann selbstständig die Lösung zu meistern.

Das ist mit Büchern und den entsprechenden Quellen im Netz möglich. Aber die machen es sich teils zu einfach und suchen nach der perfekten Lösung. Auch hier im Forum zu beobachten.

Hab den Sketch gefunden, aber er läuft nicht, oder wie kann man dass dort noch hinzufügen .... C/C++ wollen diese dann einfach nicht lernen, weil es ja sogut mit dem Zusammenkopieren klappt  >:(
Orginal Atmel AVRISP mkII zu verkaufen. Anfrage per PN ;)

RIN67630

Im Internet kann ich mir genauso wie auch in der Bibiothek Wissen aneignen.
Es gibt aber so viele Studien und wissenschaftlichen Artikeln, die nicht im Internet zu finden sind, weil der Autor darauf noch Rechte hat. Die gibbet es in der Uni-Bibiothek gratis. Hier können Fachpublikationen, die im Handel locker ein paar Hundert € kosten, gratis gelesen werden. Z.B. DIN-Normen wirdst Du nicht im Internet finden.


Johannes81

Tja mit dem Internet ist es so, wie es mit dem Fernsehen ist! Ich denke es war Peter Lustig, der einmal in einem Interview gesagt hat: "Fernsehen macht dumme Menschen dümmer und intelligente intelligenter!" Dem kann ich nur zustimmen! Jeder hat Zugang zu Informationen, egal ob Schule, Uni, Privat! Wenn jemand nicht die Motivation hat sich zu informieren oder zu bilden, wird immer nur das abgeliefert werden was die Schule oder andere Einrichtungen fordern aber kein Fortschritt stattfinden.

gregorss

... Jeder hat Zugang zu Informationen, egal ob Schule, Uni, Privat! Wenn jemand nicht die Motivation hat sich zu informieren oder zu bilden, wird immer nur das abgeliefert werden was die Schule oder andere Einrichtungen fordern aber kein Fortschritt stattfinden.
Der Punkt ist die Motivation. Wenn die stimmt, ist vieles möglich. Es gibt nur leider nicht so irre viel Menschen, die motivieren. Wenn das, was ich mitbekomme, stimmt, dann ist das Verhältnis motivierend-zu-demotivierend ungefähr 1:10
Es wird zwar üblicherweise viel Wissen vermittelt und verlangt, aber „Soft-Skills" werden selten honoriert.

Gruß

Gregor


Nicht lange fackeln, lass' Backen wackeln! (Seeed)

Tommy56

Es gibt aber auch Schulen, die seit Jahren ihre Schüler gut an die Arbeit mit dem PC heranführen.

In der Schule (Realschule), an der meine Frau unterrichtet gehört dazu: Bildbearbeitung, Textverarbeitung incl. Bewerbungstraining, Präsentationen gehören zum Alltag für Schülervorträge, Tabellenkalkulation, Grundlagen OOP, Medienkompetenz, Umgang mit persönlichen Daten.

Die 8. MINT-Klassen gehen seit Jahren regelmäßig zur Arbeit mit dem Arduino ins FabLab.

Es hängt, wie auch in anderen Bereichen, halt viel vom Engagement der Lehrer/Führungskräfte ab.

Gruß Tommy
"Wer den schnellen Erfolg sucht, sollte nicht programmieren, sondern Holz hacken." (Quelle unbekannt)

TriB

In meinen Augen ist die "digitalisierung" praktisch nicht vorhanden.
Der eine Computerraum, der während meiner aktiven Schulzeit mit veralteter Technik eingerichtet wurde, existiert in fast der selben Form weiterhin. Einmal im Monat rein und das war´s.

In meiner Generation war klar, jeder -ab jetzt- wird jeder mit Computern aufwachsen und die Bedienung in Fleisch und Blut übergehen! Ein Gerät des täglichen Gebrauchs...
Diese Annahme war vollkommen falsch!!!
Es sitzen 20 jährige vor einem Computer und fragen sich was sie mit der Maus anstellen sollen. Die Tastatur ist klar, die haben sie auf dem Smartphone auch. Aber dass man nicht alles mit dem Finger bedienen kann, schockiert sie.
Habe ich selbst erlebt!

Als ich meine IT-Ausbildung gemacht habe, war das anders. Da konnte ich wirklich nicht meckern!
Sicherlich nicht immer die neuste Technik, nicht jeder Lehrer auf der Höhe der Zeit, aber aus meiner Sicht alles im Rahmen. In Realschulen und Gymnasien findet "Das Internet" praktisch nicht statt.
Jeder kann mit einem Tablet oder Smartphone umgehen. In Word aus einer Überschrift ein Inhaltsverzeichnis zu erstellen, gehört leider nicht dazu.
Bis das nicht forciert wird, braucht man mit dem Arduino in der Schule gar nicht erst anfangen!

Es müssen solche Themen in den Lehrplan aufgenommen und die Lehrer entsprechend geschult werden. Dass solche eine grundlegende Sache mit der Motivation einzelner Lehrer steigt und fällt, ist nicht der richtige Weg.

Zumindest können alle weiterhin noch Latein als Sprache wählen und sind so für die Zukunft gerüstet!

Doc_Arduino

Hallo,

solange dafür keine Kohle im Bildungsetat vorhanden ist.
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw37_ak_bildung/385540

Wenn ich das lese sehe ich nur das ein Haufen Geld für irgendwas drauf geht und am Ende nichts übrig bleibt.
2,5 Mrd. + 0,4Mrd. = 2,9Mrd., sind wir großzügig und reden von ca. 3 Mrd. €uro pro Jahr für Investitionen,
falls ich den wirren Text richtig interpretiere.
So Leute, wieviel Schulen gibts in Deutschland?
Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien zusammen macht 10.718 Schulen in 2016/2017.
3Mrd. €uro geteilt durch 10718 = 280.000,- €uro.
Was sollen die Schulen davon kaufen?
Davon kann nicht nur Hardware eingekauft werden, davon müssen auch Handwerker und IT'ler bezahlt werden.
Das wird Jahre dauern bis alle Schulen entsprechend ausgestattet sind. Und ist die vorletzte Schule modernisiert stöhnt die erste nach neuer Hardware. Sprich, dass funktioniert so alles nicht wie gedacht.
Was vieles einfacher machen würde, wäre ein einheitlicher deutschlandweiter Lehrplan für alle Bundesländer.
Meinetwegen können sich die Schulen durch Zusatzangebote aufpeppen.
Aber der zuvermittelnde Stoff muss von Nord nach Süd und von Ost nach West einheitlich sein.
Warum sollen die einen weniger lernen wie die anderen? Macht keinen Sinn.
Daraus folgend kann der Bedarf der Schulen auch besser "berechnet" werden.

Bücher oder Laptops?
Darüber kann man ewig diskutieren.
Bücher im überfüllten Ranzen tragen ist out.
Laptops kann sich nicht jeder leisten.
Wenn die Dinger in der Schule rumstehen nützt den Schülern aber auch nichts.
Damit kommt die Diskussion der Zuschüsse auf. Ein Rattenschwanz.
Der pflegliche Umgang mit der Technik will auch gelernt sein.
Bekommen selbst die Erwachsenen nicht hin.
Bei uns in der Firma werden teilweise die aufgeklappten Laptops am Display fassend schlendernd durch die Kante getragen.
Was soll man von Schülern erwarten die nicht einmal mit ihrem Ranzen pfleglich umgehen.

Anderer Ansatz. Lernen im Sinne von verstehen kommt nur durch Wiederholung. Das nenne ich begreifen. Wenn ich irgendwas verstanden habe und es selbst mit meinen Worten niederschreibe, dann habe ich es in der Regel verstanden. Deswegen bin ich eigentlich nicht für generellen Laptopeinsatz für Schüler. Die Lehrer können das aber nutzen und ihre Tafelbilder digitalisieren. Abschreiben sollen es die Schüler aber bitte weiterhin, dann begreifen sie es auch besser. Davon bin ich völlig überzeugt.
Irgendwelche Hausaufgaben müssen jedoch nicht mehr mittels Kopie verteilt werden.
Das kommt entweder vom Lehrer per Mail rein oder kann von jedem Schüler zu Hause per Login vom Schulserver geladen werden.
Benötigt aber wiederum jeder Schüler einen Rechner und Drucker zu Hause. Am Ende ist das eine Umverteilung der Kosten.
Kann man auch wieder endlos darüber diskutieren und man wird nicht fertig.

So, genug gelabert ...

Tschau
Doc Arduino '\0'

Messschieber auslesen: http://forum.arduino.cc/index.php?topic=273445
EA-DOGM Display - Demos: http://forum.arduino.cc/index.php?topic=378279

RIN67630

#13
May 03, 2018, 04:23 am Last Edit: May 03, 2018, 04:29 am by RIN67630
Mir ging es weniger darum, aufwendige Infrastrukturen aufzubauen.
Das wichtige, ist dass Schüler etwas praktisches und greifbares realisieren und dabei schnelle Erfolge erlangen.

Der Arduino ist diesbezüglich super geeignet. Mit ein Paar Steckbrette hält sich die Investition in Grenzen.
Schon blicken die Kinder etwas weg vom Smartphone.

Nur Deutschland wäre nicht Deutschland wenn man etwas Italienisches einfach akzeptieren würde.
Man musste unbedingt etwas eigenes entwickeln. So entstand der Calliope, das vor allem eine erreichte: Cornelsen reicher zu machen.

Das kleines Ding ist vielleicht nicht schlecht gemeint, nur es wird nie die kritische Masse erreichen und eine Fülle an Bibliotheken wie der Arduino erreichen.

Doc_Arduino

Hallo,

auch dafür benötigen die Schulen Geld. Rechner müssen auch vorhanden sein.

Der Calliope hätte den Vorteil, dass alles für den Anfang onboard ist. Mehrere Leds und Taster. Kann man beim Arduino nur per Steckbrett oder Shield nachrüsten, wenn man kein Starterkit möchte. Aber gut, bin dennoch dafür in dem Fall Arduino zunehmen, allein wegen dem Verbreitungsgrades und großen Community. Im Mikrocontrollerforum ist der Widerstand gegen Arduino auch am fallen wie ich so mitbekomme. Zumindestens hat man wohl verstanden das es ein günstiges Programmierboard ist.

Dennoch benötigt man eben richtige Rechner dafür um die Boards zu programmieren. Deswegen weitergedacht, wäre ein Raspi kostengünstiger. Man benötigt nur einen Monitor und Tastatur. Denn man programmiert auf dem Raspi selbst. Gleichzeit kann man Python vermitteln. Shields werden jedoch auch benötigt und man muss die 3,3V Problematik beachten. Nur der teure Rechner fällt eben weg.

Davon abgesehen benötigt man auch für all das Lehrer die das vermitteln können. Man benötigt auch Klassenräume die entsprechend ausgestattet sind. Selbst wenn das ein Vater oder Mutter für andere Kinder in der Schule in seiner Freizeit fakultativ vermittelt. Du merkst, vom Thema Infrastruktur kommt man nicht weg, weil das die Grundlage für alles bildet. Eine ganze Klasse zu sich nach Hause einladen geht nicht und ist auch nicht Sinn der Sache.

Was ich sagen möchte, man darf sich nicht für auf die Boarddiskussion verteifen. Was würde passieren wenn jemand mit 100 Arduinoboards in einer Schule auftaucht? Man wird blöd angeguckt und es werden Fragen laut wie "was sollen wir damit" ... weil niemand darauf vorbereitet ist.
Tschau
Doc Arduino '\0'

Messschieber auslesen: http://forum.arduino.cc/index.php?topic=273445
EA-DOGM Display - Demos: http://forum.arduino.cc/index.php?topic=378279

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