Arduino und 230v-Relais

Liebes Arduino-Forum

Mir ist bewusst, das Thema um 230V wurde hier schon ein paar Mal besprochen, die Meinungen scheinen auseinander zu gehen aber möchte trotzdem Nachfragen:

Ich habe bei einem seriösen Elektronik-Vertreiber hier in der Schweiz ein "5V 4 Kanal Relais" gekauft und möchte damit eine Pumpe ansteuern, welche auf 230V läuft. Mir klar, dass es nicht unheikel ist, allerdings bin ich mir bewusst, wie mit Starkstrom umzugehen, passende Abschirmung/Isolation/Sicherheit wird vorhanden sein.

Es handelt sich um folgendes Relais:

Der Betreiber des Shops sagte mir auf Anfrage, die Relais seien sicher sofern sie auch sicherheitsbewusst eingebaut werden, sie seien sogar an den kritischen Stellen "zusätzlich gefräst" und man könne auch die Brücke entfernen, und - ich zitiere: "eine seperate Einspeisung für Relaiselektronik und Ansteuerung Elektronik einrichten".

Wie denkt ihr darüber - sollte ich trotzdem eine "sichere" Variante mit z.B. Funksteckdose und 433Mhz-Sender anpeilen oder sollte das grundsätzlich gut gehen?

Danke und herzliche Grüsse aus der Schweiz!

Mal abgesehen davon, dass die Unterseite der Platine interessanter wäre,
solltest du keinem, der "mach ruhig" sagen würde, blind vertrauen. Sagt aber hier auch wohl keiner, nichtmal ich :wink:

Neben den 230V und Leiterbahn-Abständen sind auch die Stromstärke deiner Pumpen (?) und Leiterbahn-Breiten (und Dicke) interessant. Nur weil auf den Relais selber "250VAC 10A" steht, muss das nicht für das ganze Modul gelten. Die Gesamtverantwortung liegt eh bei dir, wenn du etwas baust.

Ich persönlich mag die Funksteckdosen-Alternative eigentlich nicht und fürchte, die darin verbauten Platinen sind auch nicht immer besser. Hast halt im Problemfall etwas bessere Karten bei der Feuer- und Haftpflichtversicherung.

nkb88:
...
Wie denkt ihr darüber - sollte ich trotzdem eine "sichere" Variante mit z.B. Funksteckdose und 433Mhz-Sender anpeilen oder sollte das grundsätzlich gut gehen?

Wie michael_x schon schrieb, die Relais und auch die Funksteckdosen sind nicht für derartige Verbraucher geeignet.

Setze für eine 230 Volt Pumpe besser ein Hutschienenrelais mit ausreichenden Daten (Spannung / Strom) ein und verwende zusätzlich einen Snubber.

Besser ist, du beauftragst einen Elektriker deines Vertrauens und lässt diesen die 230 Volt Technik bauen.

Wie schon gesagt müssten wir die Unterseite sehen. Ich habe schon problematische Module in dieser Bauform gesehen. Bei Aliexpress kenne ich noch eine Alternative auf meistens roter Platine, die Jumper hat um zwischen Low/High-active umzuschalten. Die sind IMHO besser gefräst.

Ansonsten sind Pumpen üblicherweise induktive Lasten. Dafür sind die verbauten Relais bei 230V überhaupt nicht spezifiziert. "General Motor" im Datenblatt hat nur einen Eintrag für 120VAC. An einem Somfy(d.h. Marken-)Rolladenmotor hat es sie mir auch reproduzierbar und prompt durchgehauen.
Wo ich kann, nutze ich jetzt die dicken Solid State Relais in dieser Bauart.
Dieses hier ist z.B. nicht ok, weil da eine Powertrace gefährlich nahe an die Steuertraces geht, ohne Fräsung. Die Optokoppler helfen da auch nur bedingt, weil 99% der Leute eh alles über die Spannungsquelle verbunden haben und außerdem die Koppler ohne Fräsung auch wieder keinen ausreichenden Abstand zwischen den Kontakten haben.

Ansonsten stimme ich zu: Ein guter Eigenbau ist besser als eine billige kommerzielle Lösung (die Versicherung mag das anders sehen ...). Achte halt darauf, das gut zu verpacken, fliegende Kabel sehr gut zu sichern, Zugentlastung auf freihängende Kabel zu geben usw.
Am Ende einmal mit Plastik 70 drüberzusprühen kann auch nicht schaden.

Hier ist mal ein Bild von oben erwähnter Rolladensteuerung (sitzt mit im Rolladenkasten):


Unter der Spannungsquelle ist noch so ein rotes Relaismodul, weil ich SPDT für die Richtungskontrolle wollte, die Software stellt aber sicher, dass dieses Relais nur ohne Last geschaltet wird, d.h., die SSRs schalten immer 2-3 Phasen vorher aus, bevor das mechanische Relais geschaltet wird.
Die Kabel sind alle Massivdraht, deswegen fliegen die da etwas weniger frei rum als es auf den ersten Blick aussieht :wink:
Der "Schmodder", der z.B. auf dem HLK-Modul zu sehen ist, ist conformal coating mit Plastik 70.

So, nun hab ich das Relais vor mir liegen, bitte gebt mir doch mal eure fachkundige Meinung zu der Platine:

Wie gesagt, der Händler meinte, es sei ein gutes, qualitatives Board - im Gegensatz zu dem ganzen Schrott im Netz...

Besten Dank und Grüsse!

Im Grunde ist das auch ein ganz normales Modul aus dem Netz. Sehr ähnlich zu diesem hier, soweit ich sehe.
Dein Modul wird auch nciht in der Schweiz handgeklöppelt sein.

Es hat auf jeden Fall schon mal die notwendigen Cutouts um die Netzspannungspins, die auf der Logikseite der Relais liegen. Auf die Optokoppler darfst Du nicht viel geben, solange der Jumper auf dem Board ist. Musst Du aber auch nicht.

nkb88:
So, nun hab ich das Relais vor mir liegen, bitte gebt mir doch mal eure fachkundige Meinung zu der Platine:

Wie gesagt, der Händler meinte, es sei ein gutes, qualitatives Board - im Gegensatz zu dem ganzen Schrott im Netz...

Besten Dank und Grüsse!

Die Relais kannst du sicher für 24 Volt einsetzen, für 230 Volt würde ich die nicht verwenden.
Die 230Volt Leiterbahn ist einfach zu dicht an der Kleinspannung führenden Leiterbahn.

HotSystems:
Die 230Volt Leiterbahn ist einfach zu dicht an der Kleinspannung führenden Leiterbahn.

Was sollte denn der Mindestabstand sein?

ElEspanol:
Was sollte denn der Mindestabstand sein?

Ich bin da leider nicht der Fachmann, gelesen habe ich mal etwas von 8 mm Mindestabstand für Privatanwendungen.
Genaues steht in der VDE0110.

Hier gibt es eine Tabelle mit Werten: Leiterbahnabstände – Mikrocontroller.net

Wenn man die kleinste Schutzgruppe nimmt, käme man mit der Platine wahrscheinlich hin. Es sind nur 3mm Abstand zwischen Netz- und Niederspannung gefordert.

Theseus:
Hier gibt es eine Tabelle mit Werten: Leiterbahnabstände – Mikrocontroller.net

Wenn man die kleinste Schutzgruppe nimmt, käme man mit der Platine wahrscheinlich hin. Es sind nur 3mm Abstand zwischen Netz- und Niederspannung gefordert.

Leider kann ich diese Angabe nicht finden.

HotSystems:
Leider kann ich diese Angabe nicht finden.

Hier: Leiterbahnabstände – Mikrocontroller.net

Erste Zeile der Tabelle

Theseus:
Hier:
Erste Zeile der Tabelle

Ok...danke das du einen "blinden" geleitest. :wink:

Danach sollte es Tatsächlich reichen.

Dann sind diese Relais-Platinen ja gar nicht so schlecht wie ihr Ruf im Forum hier. Zumindest wenn sie die Schlitze haben.

ElEspanol:
Dann sind diese Relais-Platinen ja gar nicht so schlecht wie ihr Ruf im Forum hier. Zumindest wenn sie die Schlitze haben.

So könnte man es sehen.
Aber ehrlich, ich werde von meinem Konzept (gute Hutschinenrelais verwenden) nicht abweichen.
Das ist mir doch sicherer und kein "gebastel". :wink:

Theseus:
Hier: Leiterbahnabstände – Mikrocontroller.net

Erste Zeile der Tabelle

Achtung, das ist aber die Luftstrecke über die Fräsung weg! Da ist die Kriechstrecke an der Fräsung vorbei, zwischen hinterem Netzspannungspin und Steuerspannungspins relevanter. Das sind laut Tabelle 5mm. Ich denke aber trotzdem, dass das noch hinhaut. Ansonsten kann man mit conformal coating oder einer Schicht Epoxy noch auf Nummer Sicher gehen. Bei Netzspannung gehe ich wie gesagt immer nochmal mindestens mit Plastik 70 über alles.

Der angenommene Verschmutzungsgrad 2 ist übrigens auch nicht selbstverständlich. Ich würde sowas immer in eine abgedichtete Verteilerbox stecken und ggf. eine Tüte Silicagel im KLeinspannungsbereich irgendwo festkleben.

Besten Dank für eure Inputs!

Da ich nun auf eine 12v-Pumpe umgestiegen bin bei meinem Projekt, wird am Relais nur ein Plattenteller-Motor hängen mit 230v, laut Angaben hat der eine Stromaufnahme von nur ca. 60 mA bei 220v/50Hz.

Ich denke mal, das ist eine sehr geringe Stromaufnahme und sollte - bei sicherer Montage und Isolierung des Relais (wenn möglich wie von euch empfohlen in einer seperaten Box) - schon okay sein, oder?

Erneut Danke für die Inputs! daumen hoch :slight_smile:

Edit: Noch eine nachträgliche Frage: Würdet ihr beim 230v-Verbraucher noch eine zusätzliche Sicherung o.ä. einbauen?

hi,

gestern werbung bekommen, und weil's grad hierher passt. von den sonoff-geräten hab' ich bisher nichts negatives gehört, oder?

gruß stefan

nkb88:
Besten Dank für eure Inputs!

Da ich nun auf eine 12v-Pumpe umgestiegen bin bei meinem Projekt, wird am Relais nur ein Plattenteller-Motor hängen mit 230v, laut Angaben hat der eine Stromaufnahme von nur ca. 60 mA bei 220v/50Hz.

Ich denke mal, das ist eine sehr geringe Stromaufnahme und sollte - bei sicherer Montage und Isolierung des Relais (wenn möglich wie von euch empfohlen in einer seperaten Box) - schon okay sein, oder?

Erneut Danke für die Inputs! daumen hoch :slight_smile:

Edit: Noch eine nachträgliche Frage: Würdet ihr beim 230v-Verbraucher noch eine zusätzliche Sicherung o.ä. einbauen?

Erstmal: Der Verbrauch hat, solange er in der Spezifikation der Relais liegt, fast gar nichts mit der Sicherheit zu tun. Wenn Du eine LED-Schreibtischlampe mit 5W an eine Steckdose hängst, kannst Du da ja auch nicht plötzlich besser an die Drähte fassen als wenn da ein Staubsauger dranhinge.

Zusätzliche Sicherung ... kommt drauf an. Es kann schon sinnvoll sein, bei so einem Kleinen Verbraucher höhere Ströme abzufangen, weil dann sicher was schiefgeht. Zum einen schützt das aber nicht in allen Fällen, 100mA können immer noch tödlich sein, und zum anderen solltest Du Dir schon sicher sein, dass Du mit der Sicherung nicht noch weitere Probleme einbaust.

ElCaron:
Erstmal: Der Verbrauch hat, solange er in der Spezifikation der Relais liegt, fast gar nichts mit der Sicherheit zu tun. Wenn Du eine LED-Schreibtischlampe mit 5W an eine Steckdose hängst, kannst Du da ja auch nicht plötzlich besser an die Drähte fassen als wenn da ein Staubsauger dranhinge.

Zusätzliche Sicherung ... kommt drauf an. Es kann schon sinnvoll sein, bei so einem Kleinen Verbraucher höhere Ströme abzufangen, weil dann sicher was schiefgeht. Zum einen schützt das aber nicht in allen Fällen, 100mA können immer noch tödlich sein, und zum anderen solltest Du Dir schon sicher sein, dass Du mit der Sicherung nicht noch weitere Probleme einbaust.

Das Stimmt, da habe ich kurz nicht weit genug gedacht - danke für den Input!

Dann belasse ich es dabei und hänge den Motor an das sicher verbaute und verdrahtete Relais. Ich kann euch gerne mal einen "Zwischenbericht" geben, falls es jemand interessiert!

Danke!