Richtige Temperatur zum Löten?

Hallo

Ich muss eine Stiftleiste (2.54mm) auf eine elektronische Platine (das Adafruit motor shield) Löten. Ich habe einen billigen Lötkolben der 30 W hat und dessen Temperatur fest auf 410 Grad liegt. Ich habe aber gelesen, dass um Platinen zu löten man etwa 310 Grad haben sollte. Kann ich den Lötkolben trotzdem verwenden ohne etwas Kaputtzumachen? Es lohnt sich für mich eben überhaupt nicht einen neuen zu kaufen, da ich ihn NIE wieder brauchen würde... Ich weiss ja dass Integrierte Schaltkreise und ähnlich Bauteile maximal 300 Grad heisses Zinn vertragen aber, wie ich sagte muss ich ja nur einige Stiftleisten festlöten. Es hat zwar einige ICs auf dem shield aber die wärme sollte sich ja eigentlich nicht so weit verbreiten oder?

Danke schon im voraus :slight_smile:

bestanamnetnogonsin:
Ich muss eine Stiftleiste (2.54mm) auf eine elektronische Platine (das Adafruit motor shield) Löten. Ich habe einen billigen Lötkolben der 30 W hat und dessen Temperatur fest auf 410 Grad liegt. Ich habe aber gelesen, dass um Platinen zu löten man etwa 310 Grad haben sollte.

Hast Du noch nie irgendein elektronisches Bauteil gelötet?

Dann solltest Du zuerst vielleicht mal ein paar Lötübungen machen!
Vielleicht mit Drahtstücken auf einer leeren Lochrasterplatine.

Natürlich muß die Lötkolbenspitze wärmer sein als die Löttemperatur, denn wenn Du die heiße Lötkolbenspitze an ein kaltes Bauteil hältst, passiert das:

  • die Lötkolbenspitze kühlt sich ab
  • das Bauteil erwärmt sich
    Und das passiert, weil Wärme immer vom Warmen zum Kalten fließt.

Die Temperatur Deiner Lötstelle mußt Du im Prinzip durch die Zeit steuern, für die Du die Lötspitze an das zu lötende Bauteil hältst. Und dazu beobachtest Du einfach, wie das Lot schmilzt und fließt.

Wenn das Lot geschmolzen und dünnflüssig geworden ist, ist die Temperatur hoch genug gewesen. Dann nimmst Du den Lötkolben weg läßt die Lötstelle wieder an der Luft abkühlen.

Auch billigste 30W-Lötkolben sind im Prinzip gut zum Löten im 2,54mm Raster geeignet. Sie müssen dazu aber eine recht feine Lötspitze haben, z.B. eine runde 1.5mm Spitze und nicht etwa eine 3mm breite Flachspitze.

Als Lot am besten ein bleihaltiges Lot mit Flußmittelanteil verwenden. Wenn Du keine Ahnung vom Löten hast, dann auf keinen Fall "bleifreies" Lot verwenden oder Lot, das kein Flußmittel enthält! Und immer auf eine schön saubere Lötspitze achten und diese nicht dadurch verzundern lassen, dass Du den Lötkolben lange auf voller Temperatur liegen läßt ohne zu löten!

hi,

erfahrungsvericht mit erst schlechtem, zuletzt gutem ende:

ich habe vor etwa zwölf jahren eine platine gesehen, mittels der man mit USB-befehlen ausgänge schalten konnte. begeisterung total. teil um 90 euro gekauft.
es waren "nur" noch stiftleisten anzulöten. keine lötkenntnisse. platine kaputt. thema für 10 jahre vergessen.
das war das schlechte ende.
bis ich dann den arduino entdeckt habe und jetzt alles nachholen kann.
das ist das gute ende.

was ich damit sagen will: versuche es nicht! schon garnicht als anfänger mit suboptimalem werkzeug. irgendjemanden kennst Du sicher, der diese kleinigkeit für Dich erledigen kann. oder elektronikbastelgeschäft. oder fernsehreparaturgeschäft, oder...

gruß stefan

Ich habe mir eine lochrasterplatine gekauft zum üben.

Und: Nein ich kenne keinen der mir helfen könnte.

Eigentlich merkt man den Punkt wenn das Lötzinn gut verfließt. Dazu gehört aber etwas Erfahrung.

Moin,
meine Temperatur-geregelten Lötstationen stehen immer auf 400 Grad.
Wichtig ist: zügig löten.

Gruss
Kurti

Hallo,

auf der Lochraster mit reinen Löchern? Damit kannste sehr gut üben. Versuche eine Reihe der Löcher mit Lötzinn zu füllen. Also eine Halbkugel drauf machen. Ohne das dabei Kontakte untereinander entstehen. Du bekommst dann schnell mit wie lange und wieviel Lötzinn Du nachschieben mußt während Du den Lötkolben auf den Kupferring um das Loch hälst. Und du wirst merken wie lange der Kupferring auf der Leiterplatte bleibt. Bei zu viel Wärme, löst der sich ab.

400 Grad ist so der Standart würd ich sagen. Je dicker das Lötzinn desto mehr Temperatur musste haben.
Eine Lochrasterplatine ist nicht gleich Lochrasterplatine, gerade als Anfänger denkt man es.
Für 1€ 10 Stück bei ebay kannste knicken, wird eher anders rum sein, 10€ für 1 Stück.

Hab da auch so meine Erfahrungen, aber auch mit den billigen kann man was billiges bauen, lässt sich auch löten wenn man davor mit schleifpapier drüber geht.

Bei Paste find ichs gut, dass die nur 180 grad brauch.

Die grünen PCBs (nur Lötaugen habe eine sehr gute Qualität vom Chinesen). Dort lösen sich die Lötaugen nicht so schnell.

Löten tu ich bei ~350 - 400°C- Das reicht bei meiner Weller aus. Spitze ist eine 1,2mm Meiselspitze. SOIC, TSSOP, TQFN etc alles kein Problem. Wichtig ist die Technik. Ohne Übung werden das auf deinem Motorschield höchstens kalte Lötstellen und die sind absolut zu vermeiden. Wichtig ist, dass du nicht den Lötkolben mit dem Lötzinn an den Pin führst, sondern die Spitze sollte kontakt haben zum Material und dann schnell Lötzinn zu.

kurti:
Moin,
meine Temperatur-geregelten Lötstationen stehen immer auf 400 Grad.
Wichtig ist: zügig löten.

Gruss
Kurti

Das ist das Problem vom Anfänger; der hat Angst etwas kaputtzumachen und arbeitet darum zu zügig.
Wenn das Lötzinn schmilzt dann noch 2 sekunden draufbleiben.

Grüße Uwe

uwefed:
Das ist das Problem vom Anfänger; der hat Angst etwas kaputtzumachen und arbeitet darum zu zügig.
Wenn das Lötzinn schmilzt dann noch 2 sekunden draufbleiben.

Grüße Uwe

Moin,
ich habe ca. 40 Jahre Löterfahrung.
Und das mit den 2 Sekunden halte ich für völlig falsch !

Gruss
Kurti

Auch mit bescheidenen Mitteln und damit erst mal schlechten Voraussetzungen kann man mit etwas gutem Willen noch etwas draus machen. Dazu muß ich ein bisschen ausholen.
In meiner Jugend in den 80’igern in der DDR gab es nicht viel. Es gab 30 oder 40W Lötkolben als Standardmodell mit der keilförmigen Standardlötspitze. Aus und fertig - mehr gab es nicht.
Mein Großvater hatte mir ein Ablagebrett gebaut mit einer Glühlampe in Reihenschaltung, die sich per Schalter wahlweise überbrücken ließ. Später gab es auch Anleitungen zum Selbstbau mit Dimmern. Der Rest wurde dann mit der Einstecktiefe der Lötspitze geregelt.
Selbst in den Lehrjahren, ich war in einer großen Firma und wir bauten teilweise auch Baugruppen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen, wurde nicht viel anders gearbeitet. Die selben Lötkolben, die selben handelsüblichen Spitzen. Nur das man jeden Morgen seine Spitze sich passend zurechtfeilte und zur Verdichtung mit dem Hammer kalt nachschmiedete. Die Temperatur an der Spitze wurde allein durch die Eintauchtiefe ins Heizelement festgelegt und man mußte ein paar Minuten rumexperimentieren.
Wenn für erhöhte Anforderungen gearbeitet werden sollte, wurde lediglich an der Lötspitze mit einem elektronischen Thermometer für 1min die Temperatur gemessen. Zuvor mußte der Lötkolben mehrere Minuten aufgeheizt werden.
Das ist zwar fast so, als wenn man sich erst mal einen Stein suchen muß, um daraus einen Faustkeil zu machen, aber es funktioniert :wink:

Gruß Gerald

kurti:
Moin,
ich habe ca. 40 Jahre Löterfahrung.
Und das mit den 2 Sekunden halte ich für völlig falsch !

Gruss
Kurti

Anfänger entfernen den Lötkolben oft sofort nachdem sie erkennen, daß das Lötzinn schmilzt. So ist keine ordentliche Lötverbindung zustandezubringen.

Komentar zu nix_mehr_frei Ausführungen.
Heutzutage sind die Lötspizen vercromt. Diese verzundern (fast) nicht und werden auch nicht vom Lötzinn/Flußmittel angefressen. Darum darf man diese Spitzen nicht nachfeilen oder durch schmieden nachhärten.

Grüße Uwe

Hallo,

auch wenn es "verkehrt" klingt, als Anfänger und Gelegenheitslöter ist gutes Material besonders wichtig.
Wenn die Temperatur gut geregelt ist (ca. 350 Grad, 400 Grad ist eher was für erfahrenere Löter) hat man z.B. ein viel größeres Zeitfenster bis das Flussmittel verdampft ist als bei sehr hoher Temperatur.

Umgekehrt bringt ein erfahrener Löter notfalls auch mit bescheidene Geräten sehr brauchbare Ergebnisse hin - auch wenn es etwas mühsamer ist... Erfahrung und Übung macht hier den Unterschied.

Christian

uwefed:
Komentar zu nix_mehr_frei Ausführungen.
Heutzutage sind die Lötspizen vercromt. Diese verzundern (fast) nicht und werden auch nicht vom Lötzinn/Flußmittel angefressen. Darum darf man diese Spitzen nicht nachfeilen oder durch schmieden nachhärten.

Unsere Lötspitzen damals waren im Auslieferungszustand vernickelt und ebenfalls als Dauerlötspitzen deklariert. Aber deren Form war zum löten von IC's schlicht unbrauchbar. Deshalb wurden sie trotzdem abgefeilt. Auch wenn das nachsichzog, das sie jeden Tag nachgearbeitet werden mußten :slight_smile:

Hallo bestanamnetnogonsin,

lass Dich nicht verrückt machen, löten ist wirklich einfach. Wenn Du was zum üben hast, ist das schonmal prima. Versuche es doch mal mit folgender Anleitung von Mitch Altmann. Mit der habe ich auch die ersten Schritte im Elektroniklöten gemacht, und das geht echt prima. Für Stiftleisten passen auch die 400°C. Übe an der Lochplatine, dann sind die Stiftleisten kein Problem.

Grüße,

Sven

EDIT: Wenn Du Englisch kannst gibt es den Comic auch noch im original, da die Übersetzung etwas holperig ist:

Ich hätte eigentlich nur Eines an der Anleitung auszusetzen. Drähte kürzt man vor dem Verlöten ein. Der Grund dafür ist die mechanische Beanspruchung der Lötstelle beim Abschneiden.

Ok, das wusste ich so bisher auch noch nicht. Danke für den Hinweis.

elektron_:
Umgekehrt bringt ein erfahrener Löter notfalls auch mit bescheidene Geräten sehr brauchbare Ergebnisse hin - auch wenn es etwas mühsamer ist... Erfahrung und Übung macht hier den Unterschied.

Das stimmt. Ich habe schon im Urlaub bei Notreparaturen mit Hilfe eines Nagels, den ich mit dem Gasherd heiß gemacht habe, gelötet.

bestanamnetnogonsin nimm dir alten Elektronikschrott mit richtigen Bauteilen (kein SMD) und Löte einfach mal Teile raus und rein. Das ist eine gute Übung.