Wasserschutzlack?

Hallo zusammen,

ich hab letztes Wochenende mal eine kleine elektronische Anlage aufgemacht. Angeblich soll das Teil absolut wasserfest sein, aber in das Gehäuse kann schnell was reinlaufen, so wie das aufgebaut ist. Als ich mir die Platine mal angesehen hab, ist mir aufgefallen, dass diese komplett schwarz ist. Nicht nur die Platine selber, sondern auch die Bauteile. Man hat keine silbernen Lötstellen oder Widerstandsfarbkennzeichnungen, noch sonst was "gesehen". War alles schwarz. Und gestunken hats auch wie nochmal was. Ist das so eine Art Schutzlack, dass die Platine wasserfest ist? Gibt's sowas überhaupt? Oder was hätte das sonst sein können? Bilder kann ich leider keine bieten und die Anlage hab ich nicht mehr.

Schönes Wochenende und LG

Fipsi

Wasserfest und wasserdicht nicht dasselbe.

(Wasserdicht ist eine Uhr, wenn Wasser das mal reingelaufen ist, nicht mehr rauskommt) ;)

Größtes Problem bei wasserfester Versiegelung dürften Steckverbinder sein. Die sind danach "wartungsfrei"...

Ja, solch einen Lack gibt es. Ist aber der letzte Dreck!

michael: So genau hab ichs mir nicht angeschaut.. aber ich glaub, die IC's mit Sockel und Steckverbinder sind weiterhin wartungsfähig und nicht mit dem Lack überzogen.

sschultewolter: Also nichts, was empfehlenswert wäre?

LG

Fipsi

Oft werden Leiterplatten, nach der Bestücung, mit einem Schutzlack überzogen. Der soll verhindern, dass sich Dämpfe auf der Leiterplatte niederschlagen und dort leitende Verbindungen erzeugen. Das Verfahren ist umstritten, weil es Untersuchungen gibt, die zeigen, dass sich unter den Lackschichten durchaus aus kriechverbindungen bilden können.

In Elektroniken, die unter harten Umweltbedingungen eingesetzt werden, ist es aber trotzdem üblich, weil in der Praxis die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Im privaten Bereich würde ich davon die Finger lassen. Zum einen ist es ein spezieller Lack, zu anderern hast du bei handgelöteten Platinen bereits viel Schmutz (Fingerfett, Flussmittel,etc) auf der Leiterplatte, die du mit dem Lack konservieren würdest.

Für den Privatbereich: ein dichtes Gehäuse gibt es nicht. Oft es besser, ein Gehäuse so dicht wie möglich zu machen, unten aber eine Öffnung vorzusehen, durch die eingedrungenes Wasser auch wieder raus kann.

Wenn du versuchst ein Gehäuse komplett wasserdicht hinzubekommen, sorgt schon Murphy dafür dafür, dass dein Leck oben ist und unten alles dicht, so dass das eingedrungene Wasser schön im inneren des Gehäuses stehen bleibt.

Hallo,

was spricht denn gegen Plastik 70 Super oder Lötlack SK10? Dann ist die Leiterplatte wenigstens gegen Luft Korrosion geschützt.

Ich habe vor 20 Jahren mal in einer Elektronikbude gearbeitet, da gab es eine Bohrung im Batteriefach, da wurde ein Aufkleber mit einer Gorotex-Membrane aufgeklebt. Außen war ein Ring aus Kleberbeschichtung. Den mußte man gut anreiben und es durfte keine Falte und kein Knick drin sein. Der Sinn der Membrane war, das Feuchtigkeit als Dampf raus konnte, falls das Teil (eine Industriefunkfernbedienung) mal in eine Pfütze gefallen wäre, aber nicht vollaufen konnte.

nix_mehr_frei: ..ein Aufkleber mit einer Gorotex-Membrane.

Wird immer noch gemacht. Aber vor allem, damit sich im Gehäuse kein Unter- oder Überdruck aufbauen kann, wenn sich die Temperatur ändert.

Doc_Arduino: was spricht denn gegen Plastik 70 Super oder Lötlack SK10? Dann ist die Leiterplatte wenigstens gegen Luft Korrosion geschützt.

Nichts. Aber nützen tuts auch nichts. Korrosion bei Kupfer oder Lötzinn stört nicht. Da bildet sich eine hauchdünne Schicht aus Öxid auf der Oberfläche (einige Atomlagen dick), dann wars das.

Und du läufst in Gefahr, dass sich unter dem Lack befindlicher Schmutz, schön geschützt gegen Austrocknen durch den Lack, zu einer reaktiven Masse verbindet. Aber die Gefahr ist eher klein.

Unterm Strich: Es ist wohl Geschmacksache.

Das Problem bei der ganzen Sache ist, sobald ein Bauteil wegen was auch immer nicht mehr seinen Dienst tut, sind Reparaturen sehr aufwendig, wenn überhaupt mögich. Gleiches gilt auch für das Vergießen mit Epoxydharzen.

Im militärischen Bereich habe ich mal erlebt, das Leiterplatten mit Epox eingepinselt wurden.

Kontaktprobleme geben immer Steckverbindungen, da dort die Metallflächen die eigntlich gut leiten sollen oxidieren und sich somit ein Übergangswiderstand bildet. Darum ist eine Lackierung der Platine nur eine halbe Sache. Auch mußt Du Bauteile verwenden die Wasserdicht sind (wie zB Relais).

Grüße Uwe

hallo, Google mal nach Certonal FC-742 das Zeug ist nicht billig aber das Beste.

Gruß Michael

Kaputtmachen tut man mit dem Lack jedenfalls nichts und mit einemm Pinsel und etwas Aceton bekommt man den Lack auch wieder spurlos entfernt. Kommt immer auf die genaue Anwendung an.

gruß

Kenne solche Lackierungen auch aus diversen Geräten die Wasserkontakt bekommen könnten...

Aber ist so eine Lackierung denn nicht unter Umständen problematisch (Temperatur usw.) wenn die Schaltung dafür nicht ausgelegt ist?

Welche IP-Schutzklasse hatte die Anlage denn?

nix_mehr_frei: Im militärischen Bereich habe ich mal erlebt, das Leiterplatten mit Epox eingepinselt wurden.

Das hab ich neulich in einem Video gesehen: https://www.youtube.com/watch?v=55z_0BYb5is

Na da hab ich ja ne ganz schöne Diskussion losgetreten.

Scheinwiderstand:

Ich glaube, davon stand gar nichts auf dem Gehäuse. Vom Augenschein her würd ich sagen IP 44 oder sowas rum. Das Gehäuse war ein Metallteil (so ne Art Wanne mit verlöteten Kanten) und vorne eine PMMA-Platte drin. Die Platte ist auf einen Art Rahmen geschraubt, der im inneren des Gehäuses war. Also wenn das Gerät verwendungsgerecht steht sollte da gar kein Wasser reinlaufen können. Liegt es allerdings und auf die PMMA-Platte würde Wasser stehn, wär das Gehäuse sofort voll.

LG

Fipsi