Fädelfrage

Hallo allerseits!

Gestern habe ich mein Fädelzeug ausprobiert, um eine neue Schaltung aufzubauen. Das ging total schief.

Ich dachte, dass sich die Isolierung des „Fadens“ bei der Berührung mit der Lötspitze (425°) ratz-fatz verabschiedet und schnell eine leitende Verbindung mit dem betreffenden Lötpunkt hergestellt wird. Blöderweise musste ich die Isolierung aber schier zum Verschwinden „überreden“ (mit der Lötspitze „wegreiben“) und beim anschließenden Test stellte sich heraus, dass von vier Verbindungen nur eine wie erwartet funktionierte.

Ist das tatsächlich so ein Gewürge oder habe ich vielleicht nur einen schlechten „Faden“ erwischt? Tipps und Hinweise/Erfahrungsberichte sind hochwillkommen!

Gruß

Gregor

Fädeln ist ursprünglich für scharfkantige Stifte gedacht gewesen, die die Lackschicht verletzt haben, um den Kontakt herzustellen.

Von Löten hat da keiner etwas verlauten lassen.

Gruß Tommy

Tommy56:
... Von Löten hat da keiner etwas verlauten lassen.

Vielleicht habe ich etwas falcsh verstanden.

Oder meinst Du vielleicht etwas Anderes (die Wickelverbindung)? Dort wird aufs Löten verzichtet.
Wie ich die Wikipedia verstehe, wird beim Fädeln durchaus gelötet.

Gruß

Gregor

Ok, ich habe mich auf die Wickelverbindung bezogen.
Das war wohl mein Fehler.

Gruß Tommy

Hallo,

Lackdraht kann man löten. Aber schön ist was anderes. Der Lack schmilzt unkontrolliert weg. Ich habe einmal viele Lackdrähte verlegen müssen und am Ende habe ich alle Enden vorher mit Sandpapier vom Lack befreit und dann gelötet. So schnell werde ich das nicht wiederholen. Jedenfalls nicht freiwillig.

Doc_Arduino:
Lackdraht kann man löten. Aber schön ist was anderes. Der Lack schmilzt unkontrolliert weg. Ich habe einmal viele Lackdrähte verlegen müssen und am Ende habe ich alle Enden vorher mit Sandpapier vom Lack befreit und dann gelötet. So schnell werde ich das nicht wiederholen. Jedenfalls nicht freiwillig.

Dass Lackdraht eine Strafe ist, wenn es um's Löten geht, kann ich bestätigen. Aber beim Fädeldraht geht es - zumindest meinem Verständnis nach - darum, dass die Isolation beim Löten verdampft. Lackdraht != Fädeldraht (IMO).

Gruß

Gregor

Ich habe jahrelang meine Computerplatinen gefädelt, allerdings nicht mit dem dafür angepriesenen Fädeldraht. Stattdessen habe ich Kupferlackdraht von 0,15-0,3 mm verwendet, der beim Verlegen seine Form behält - das spart diese dämlichen Fädelkämme, und die Leitungen lassen sich einfach nachverfolgen.

Das Löten ist nicht ganz einfach, der "richtige" Lack schmilzt weg, wenn man ein Drahtende ins Lötzinn am Lötkolben steckt, danach kann man dieses Ende schon mal anlöten. Dann habe ich den Draht passend verlegt und am nächsten Pin angelötet. Dazu muß man schon mit der Lötspitze am Draht reiben, oder an den kantigen Pins eines DIL Gehäuses, um wenigstens ein kleines Loch in die Lackschicht zu feilen, dann kriecht das Lötzinn unter die Lackschicht, die dann abspringt und so läßt sich der Draht sauber anlöten. Dann sieht man ja, ob der Draht ein Loch ins Lötzinn bohrt, weil der Lack das Lötzinn abweist, oder ob das Lötzinn am Draht entlangkriecht. An der letzten Lötstelle habe ich den Draht nicht abgeschnitten, sondern abgerissen. Bei einer kalten Lötstelle hat sich der Draht aus dem Lot herausgelöst, bei einer guten Lötstelle ist er nach etwas Zureden sauber abgerissen.

Heute habe ich allerdings selbst große Probleme, meine alten Drähte mit dem alten Lötkolben (Magnastat) sauber zu kontaktieren. Möglicherweise hat sich die Rezeptur des Lacks im Laufe der Zeit verändert, bei der Herstellung oder durch Alterung. Mit dem neuen Lötkolben verbrennt mir eher das Lot, als daß sich die Lackschicht abbrennen läßt. Mit dem Fädeldraht habe ich dieses Problem nicht erst heute gehabt, früher hat mich deren Kontaktfreudigkeit (Unlust) schon nicht begeistert. Deshalb bin ich ja zum ordinären CuL Draht übergegangen und war jahrzehntelang damit glücklich :slight_smile:

BTW die Wickeltechnik (wrappen) ist was anderes, da wird der Draht beim Wickeln mit dem Pfosten verschweißt - wenn man das richtige Werkzeug, den richtigen Draht und die richtigen Pfosten benutzt. Dabei muß man schon mit ein paar Zentimetern Höhe für die Leiterseite einer Karte rechnen.

Kupferlackdraht für Wicklungen, Induktanzen, Trafo usw haben verschiedene Temperaturklassen. Das heißt die Max Temperatur die die wicklung verträgt. Daraus ergibt sich eine verschieden gute Lötbarkeit. Zu Fädeldrat kann ich nichts sagen.
Grüße Uwe

DrDiettrich:
... Heute habe ich allerdings selbst große Probleme, meine alten Drähte mit dem alten Lötkolben (Magnastat) sauber zu kontaktieren. Möglicherweise hat sich die Rezeptur des Lacks im Laufe der Zeit verändert ...

Hm. Evtl. ist mein Fädeldraht zu alt. Ich werde bei Gelegenheit eine neue Rolle Draht besorgen und dann einen neuen Versuch starten. Wo ich den Draht gekauft habe, habe ich vor ein paar (wenigen) Jahren Glimmlampen gekauft, die noch mit „220 V“ beschriftet sind, obwohl die Netzspannung schon seit vielen Jahren 230 Volt beträgt.

Gruß

Gregor

Hmmm... also ich fädle schon seit Jahrzehnten meine sämtlichen Schaltungen. Etwas schwieriger ist das nur bei den dickeren Drähten für die Gnd und Stromversorgungsleitungen. Aber auch da hat es immer funktioniert.
Mein Fädeldraht für die Signalleitungen ist 0,15 / 0,2mm stark. Ich wickle in 1-2mal stramm um das zu verlötende Beinchen. Dann mit dem Lötkolben und wenig Lötzinn erhitzen. Sobald der Lack verdampft ist, noch mit etwas zusätzlichem Zinn verlöten - fertig. Das dürften im Laufe der Jahre sicher einige tausend Lötstellen geworden sein. Einen Fädelkamm verwende ich übrigens auch nicht.

Das sieht dann z.B. so aus:

Mein Trick beim Fädeln ist folgender:

Temperatur des Lötkolbens um ca 25° erhöhen.
Auf der Startseite des Fädeldrahts den Lack wegschmurgeln so das eine Verzinnung sichtbar ist. Lötpunkt setzen und am Ende der Verbindung die entsprechende Länge mit einer Schlinge um die Lötkolbenspitze beenden. (Bei einem Hammerlötkolben wohl weniger geeignet)
Dann ist der Lack schnell ab... (welch ein Wortspiel) in der Regel habe ich nach dem Cutten etwas mehr verzinnt als ich zum beenden der Verbindung brauche... das ist dann auch gleich der Startpunkt einer neuen Verbindung.
Mit diesem Trick lässt sich der Fädeldraht nach einiger Übung doch recht zügig und sicher verarbeiten.

LG
Luclass

@Microbahner: sieht sehr sauber aus (anders als bei mir :grin:)

Meine Methode - ich benutze einen selbstgebauten Fädelstift basierend auf einem alten Druckbleistift:

  • Lack mit einem vorher auf der Lötkolbenspitze aufgebrachten Lötzinnkügelchen wegbrennen, meist so 1 bis 2 mm
  • dieses Ende direkt am Lötpunkt verlöten, aber ohne zu wickeln. Dann bekommt man es auch locker wieder weg wenn's sein muss
  • Draht zum Zielpunkt verlegen, abschneiden
  • das offene Ende wie beim Start vom Lack befreien
  • mit Pinzette am Zielpunkt festlöten

Klappt prima, bin zufrieden, Optik ist Nebensache.

Klaus_ww:
@Microbahner: sieht sehr sauber aus (anders als bei mir :grin:)

Danke für die Blumen :wink:

Klaus_ww:

  • Lack mit einem vorher auf der Lötkolbenspitze aufgebrachten Lötzinnkügelchen wegbrennen, meist so 1 bis 2 mm

Stimmt, so mache ich das am Startpunkt auch. Bei den Zwischen und Endpunkten wickel ich aber. Das hält dann schonmal mechanisch, und man kann ein paar Verbindungen vorbereiten, die dann in einem Zuge nacheinander verlötet werden. Geht m.M. nach schneller :smiley:

Klaus_ww:
ich benutze einen selbstgebauten Fädelstift basierend auf einem alten Druckbleistift

. Gute Idee. Meine 'fertigen' Fädelstifte haben Kunststoffspitzen, die sind sicher nicht so stabil und haben schon etwas 'gelitten'.

Für interessierte Nachbauer:

Ja, den werde ich einmal nachbauen!

Ich habe einen 25 Jahre alten Stift. Der Originalfädelstift hat allerdings eine Drahtbremse.
Das Einfädeln beim Orginal ist echt ätzend.
Das hat beim Produktfoto "Fädelstift" bei Reichelt wohl auch nicht geklappt.